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Linkpartner Kulturpolitik
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Dossier: Qualifizierung
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Einführung in die Europäische Qualifizierung für Akteure der Kreativwirtschaft
Unter der Moderation von Heidi Schumacher, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, stellten Experten aus ganz Europa auf der 4. Jahrestagung Kulturwirtschaft im Mai 2007 ihre Qualifzierungsangebote vor – u.a. Prof. Dr. Hermann Voesgen, ENCATC; Dr. Karin Drda-Kühn, Verein für Kultur und Arbeit e.V.; Katherine Watson, LabforCulture; Kimmo Hyyppä, Arsnet; Katalin B. Hegedüs, Erikanet; Marice Cumber, Own IT; Gabriela Tudor, United Artists. Das Panel wurde von Vertikult, dem Netzwerk für Kulturjobs, inhaltlich und organisatorisch betreut.
„Die Suche nach der Eier legenden Wollmilchsau“
Akteurinnen und Akteure der Kreativwirtschaft, die sich auf einem europäischen Arbeitsmarkt orientieren und etablieren wollen, sehen sich mit komplexen Anforderungen konfrontiert. Neben der eigentlichen (universitären) Fachqualifikation sind es
- Kenntnisse in Projekt- und Finanzmanagement einschließlich der Organisation von sich überlappenden, sehr kurzen/kurzfristigen Projekten und Folgeprojekten,
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sprachkenntnisse - sehr gutes Englisch als Zweitsprache wird vorausgesetzt, weitere Sprachkenntnisse sind sinnvoll,
- unternehmerische Kenntnisse und die Bereitschaft, „unternehmerisch“ zu denken und handeln,
- Bereitschaft zu großer Mobilität,
- Kenntnisse in den Charakteristika und Besonderheiten der nationalen europäischen Kulturarbeitsmärkte,
- Kenntnisse in der Nutzung neuer Informationstechnologien und
- Kenntnisse in der Finanzorganisation, vor allem der Fördermittelbeschaffung.
Unvermindert ein Problem in der Ausbildung ist der hohe Spezialisierungsgrad in den
Fachwissenschaften, obgleich der Markt mindestens ebenso nach Querschnittskenntnissen und Schlüsselqualifikationen wie Flexibilität, Teamfähigkeit, schnelle Auffassungsgabe, Multi-Tasking und verantwortlichem sowie auf Nachhaltigkeit ausgerichtetem Agieren verlangt.
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Der Bologna Prozess
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Die fachwissenschaftliche Ausbildungsgänge a la Bologna verkennen die Anforderungen des Kulturarbeitsmarktes, wenn die geschilderten Komplementäranforderungen allzu leicht dem Kulturmanagement und entsprechenden Qualifizierungen zugeschoben werden. Im Zuge des Bologna-Prozesses erfolgt derzeit eine Standardisierung der Ausbildung, die sich in der Realität weder durchsetzen dürfte, noch von der Kulturwirtschaft tatsächlich gewünscht ist. Gefragt in der Kulturarbeit ist Individualität und weniger Konformität. Höchst anspruchsvolle Tätigkeiten wie Fundraising sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind keine Nebentätigkeiten, sondern Vollzeitaufgaben. Sich diese Qualifikationen durch „learning by doing“ anzueignen, ist unprofessionell, uneffizient und qualitativ unzureichend. Die berufsbegleitende Weiterbildung bietet zwar entsprechende Angebote, doch völlig offen ist, von welchen Zeitkonten diese wahrgenommen werden können, denn: Projektlaufzeiten werden zunehmend kürzer, die Akquirierung von neuen Projekten erfolgt in der Regel parallel zu laufenden Projektphasen, und Evaluierungs- und Reflexionsphasen zur Sicherung der Nachhaltigkeit von Projektergebnissen sind kaum vorgesehen.
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Neue Anforderungen
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Wie also zu neuen Formen einer sowohl machbaren, marktgerechten und qualitativen
Qualifizierung finden? Sowohl sektorale als auch interdisziplinäre Herangehensweisen sind nötig. Fachwissen zu Förderstrukturen und einer effizienten Antragsformulierung sowie der synergetische Zugriff auf Ressourcen möglicher Kooperationspartner wurden mehrfach als wünschenswert formuliert. Neben Mentorensystemen jenseits der endlosen Folge unbezahlter Praktika können besonders hochwertige Internet-Angebote hilfreich sein, die Zugang zu Netzwerken und Informationen ermöglichen. Persönliche Kontakte werden wohl auch künftig hohen Stellenwert haben, doch fehlen Instrumentarien zur systematischen, kooperativen und synergetischen Erschließung dieser Ressource über die nationalen Märkte hinaus.
Dringender Handlungs- und Finanzierungsbedarf bei Vorlaufzeiten von Projekten wurde
mehrfach angesprochen. Diese arbeitsintensive Zeit wird in der Regel von Förderprogrammen nicht abgedeckt, obgleich hier in konzeptioneller Hinsicht für Kulturprojekte hochqualifizierte Arbeit geleistet werden muss. Als Defizit wurden auch fehlende Instrumente zur Sicherung und nachhaltigen Nutzung von Projektergebnissen angesprochen. Am Beispiel des Schutzes von geistigem Eigentum (Intellectual Property Rights – IP), das mehr und mehr selbst zum Produkt wird, werden diese Defizite besonders deutlich. So herrschen zwischen Kreativen und IP Management immer noch Berührungsängste. Hinderlich sind mangelnde Kenntnisse, eine kaum vorhandene gemeinsame Sprache und seitens der Kreativen die Furcht vor hohen Kosten. Grundlagen des IP Managements sollten in die Ausbildung implementiert werden, so dass eine IP-Strategie zukünftig selbstverständlicher Teil von Nutzungsplänen wird. Wünschenswert sind institutionalisierte Instrumente zur Bewertung von Projektergebnissen mit der Perspektive von Anschlussfinanzierungen (Investorengelder), Markteintrittsunterstützung (Erstellung von Businessplänen) und Ergebnistransfer (Ermittlung eines Transferpotenzials auf andere Felder).
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Der Grundsatz-Trend?!
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Als prinzipielles Problem wurden die weit verbreiteten schlechten Arbeitsbedingungen identifiziert: unsichere Beschäftigungs- und damit Einkommensaussichten, der permanente Druck zur fundierten Zusatzqualifizierung in fachfremden Gebieten und die Selbstverständlichkeit zur Erbringung unbezahlter Leistungen führen nicht selten zum Gefühl der Überforderung. Folgen: Ein burn-out in menschlicher wie fachlicher Hinsicht erfolgt bei Kulturschaffenden inzwischen oft bereits lange vor der Mitte des Arbeitslebens.
Gerade gut ausgebildete Kulturschaffende mit qualifizierten Erfahrungen entziehen sich zunehmend dem Kulturarbeitsmarkt durch Abwanderung in andere Bereiche (IT-, Sozial- oder Ausbildungssektor) ab. Dies kann, nicht zuletzt angesichts des demographischen Wandels, zu einer Verarmung des Kulturbetriebs führen, den sich die europäischen Gesellschaften angesichts des unbestrittenen ökonomischen Potenzials des Kulturbereichs schlicht nicht leisten können. Hier wurde die Entwicklung von Standards gefordert, um Orientierung, Bezugsgrößen und letztlich Sicherheit zu geben
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