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Statements
Noch vor zwei Jahren war der Begriff Kreativwirtschaft nur Insidern bekannt, jetzt ist er „in“. Parallel dazu ist eine Begriffsschwemme entstanden: Kreativwirtschaft - Creative Industries - Creative Economy – Kreativitätswirtschaft - Kreative Ökonomie - Kulturwirtschaft. Aus Vielfalt droht Verwirrung zu werden.

Kreativwirtschaft Deutschland eröffnet daher ein Forum für den Wettstreit der Statements, Begriffe und der Politiken. Darin stellen wir die Meinungen führender Köpfe und Protagonisten vor.
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Kreativität + Wirtschaft = Kreativwirtschaft?

September 2008: Statement von Prof. Dr. sc. Dieter Wiedemann, Präsident der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf", Potsdam-Babelsberg
 
Das Fragezeichen ist bewusst gewählt, galt und gilt immer noch Kreativität doch nach landläufiger Meinung als ein primär künstlerischer Begriff!

Während die Wirtschaft mit der Kunst doch höchstens in Form eines Mäzenatentums Beziehungen haben konnte. Es gab und gibt zwar Filmwirtschaft und seit einigen Jahren den wiederum sehr allgemeinen Begriff Kulturwirtschaft. Kreativwirtschaft ist da aus meiner Wahrnehmung präziser: Kreativität – nicht nur künstlerische! – als Wirtschaftsfaktor, als Chance zum Geld verdienen! Diese klare Ansage wird durch die Kopplung mit einer Kulturwirtschaft, die wieder alles sein kann und nichts mit Kreativität zu tun haben muss, aber natürlich kann, wieder abgeschwächt.

Ich plädiere damit für eine konsequente Förderung der Kreativwirtschaft, weil der „geistige Rohstoff“ eine wichtige Basis unserer Volkswirtschaft sein sollte: sein muss! Dazu gehört für mich auch eine frühzeitige Entdeckung und Förderung von Kreativität, wobei die Kreativen auch lernen müssen, ihre Kreativität zu vermarkten.

Dieser Aufgabe müssen sich insbesondere die Kunsthochschulen stellen. Die HFF tut das, in dem sie Existenzgründungsseminare für die Studierenden anbietet.


Die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg ist die einzige Kunsthochschule des Landes Brandenburg und die älteste und größte von fünf Medienhochschulen in Deutschland. Das Ausbildungssystem der HFF ist singulär in der deutschsprachigen Medienhochschullandschaft: neben dem Studium im jeweiligen Studiengang ist es Ziel, die Studierenden studiengangsübergreifend in gemeinsamen Projekten zusammen zu führen.
Die HFF ist eine künstlerische Medienhochschule mit Ausbildungsschwerpunkten in Film und Fernsehen. Neue Medientechnologien sind ebenso ein integraler Bestandteil der Ausbildung wie die Orientierung auf die kulturellen Wurzeln dieser Medien und auf die wissenschaftliche Reflexion ihrer historischen und aktuellen Erscheinungsformen. Dies geschieht in einem Spannungsfeld von Tradition und Moderne, von individueller Begabtenförderung und Entwicklung von Teamfähigkeiten, von klassischem Filmmaterial und digitaler Bild-/Tonerzeugung, von Studien-/Ausbildungsangeboten für Filmberufe und solchen für technologisch-kreative Tätigkeiten in IT-Bereichen. Kreativität und Fantasie paaren sich in der Ausbildung mit pragmatischen Anforderungen. Charakteristisches Anliegen ist dabei die studentische Gemeinschaftsarbeit in den praktischen Produktionen sowie das Trainieren von Teamwork.
Das besondere Anliegen der Hochschule liegt in der Verbindung von künstlerischen und wissenschaftlichen Studiengängen mit einem theoriegeleiteten praxisbezogenen Studium. Sie sieht sich nicht nur ihrer Tradition als ältester deutscher Filmhochschule verpflichtet, sondern sie öffnet sich neuen Entwicklungen im Medienbereich.
Mit ihren Weiterbildungsangeboten und kulturellen Veranstaltungen will die HFF auch ein Ort der kulturellen, sozialen und politischen Auseinandersetzung sein. Sie trägt mit ihrer künstlerischen Entwicklung und Produktion, ihrer wissenschaftlichen Forschung und ihrer Ausbildung zur Stärkung des Medienstandortes Potsdam bei.
Quelle: http://www.hff-potsdam.de/_deutsch/hochschule.html

Kreativität - der Engpass unserer Zukunft

Mai 2008: Statement von Professor Dr. Jörg Mehlhorn
Professor Mehlhorn unterrichtet Betriebswirtschafts-Lehre und ist Mit-Initiator des Kreativitätspreis CREO sowie Vorsitzender der Gesellschaft für Kreativität. 

Mehlhorn erklärt in 12 Thesen nicht nur das wichtige Aspekte Kreativität, sondern auch die Rezeptions- und Forschungsgeschichte der Kreativität. Während die Fachwelt der Kreativwirtschaft zur Zeit bevorzugt auf Richard Florida und seine Forschungen schaut, berichtet Mehlhorn, dass schon 1950 Joy Paul Guilford in seiner Antrittsrede als Präsident der American Psychological Association die Präsentation seiner Ergebnisse langjähriger Forschungen an Marinesoldaten mit dem Satz schloss: "Jeder Mensch ist kreativ."

Krasser könnte der Unterschied zur Florida-Version von Kreativität kaum sein: In der US-Armee finden wir nicht die 3 Ts, Technologie, Talent und Toleranz. Mit vielfältigen Perspektiven auf das Phänomen "Kreativität" zuschauen, kann nicht vermeiden, wer Kreativwirtschaft oder gar Kreative Ökonomie fördern will. Unser Dank geht an die Plattforum Kreative Ökonomie.

Einleitung von Professor Mehlhorn:
"Wieder ist ein Jahr der Innovationen verstrichen und dennoch ist nichts zu spüren von einer Kreativitäts-Offensive, die in die Breite unserer Gesellschaft zielt. Beim Sport und insbesondere beim Fußball ist das traditionell ganz anders. Da spricht man wie selbstverständlich von Breitenförderung und schickt Scouts durch die Vereine und Straßen, um Talente zu entdecken und zu fördern, soweit es sich die Eltern oder Großeltern nicht schon selbst zur Aufgabe gemacht haben. Nachfolgend soll gezeigt werden, wie nahe liegend und einfach es sein kann, die noch immer unter Wert gehandelte menschliche Begabung Kreativität in jedem von uns zu entdecken und zu fördern. Verdeutlicht werden soll dies anhand der Zwölf Thesen wider das Schattendasein der Kreativität, die die Gesellschaft für Kreativität e.V. 1998 formuliert hat. Lesen Sie mehr

Zur Gesellschaft für Kreativität [ weiter ...]

Wenn alle Kreativität Kultur wird, verschwindet die Kunst

März 2008: Statement von Thomas Sternberg
CDU Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag.

Sternberg widerspricht der Idee der Kreativitätswirtschaft von Zilligen, BBDO, und warnt davor, dass das Künstlerisch-schöpferische verschwindet:

Nachdem das Thema "Kulturwirtschaft" lange Zeit ein Nischendasein bei einigen kulturpolitisch Interessierten führte, ist es inzwischen zu einem Topthema der Wirtschaftsdebatten geworden - und der Erfolg droht ihm über den Kopf zu wachsen. Denn in Tagungen, Kongressen und Kulturwirtschaftsberichten werden die Anteile der Kulturwirtschaft am gesamtwirtschaftlichen Aufkommen immer größer und bedeutender.


Und so richtig es ist, dass Kreativität die Grundlage allen innovativen Wirtschaftens ist, so problematisch ist es, wenn die Kreativwirtschaft auch Bereiche erfasst, die mit einem klassischen Verständnis von Kultur nur noch wenig zu tun haben.

Copyright Foto M. Thomas

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Leben in Zeiten der Kreativitätswirtschaft
"Wir können Probleme nicht mit demselben Denken lösen, das sie hervorgebracht hat.“
Albert Einstein



Februar 2008: Statement von Ralf Zilligen
Chief Creative Officer BBDO, Düsseldorf, 2008.
 

Der neue Begriff „Kreativitätswirtschaft“

Der Begriff „Creative Economy“ tauchte vor einigen Jahren zum ersten Mal in den USA auf und beschreibt Ökonomien, die auf Kreativität, Ideen und Innovationen aufgebaut sind und sie nicht nur als mögliche Folgeerscheinung in Kauf nehmen. In Deutschland wird sie häufig als kreative Ökonomie übersetzt, was meiner Meinung nach nur den innovativen Teil einer Wirtschaft beschreibt. Ich spreche lieber von der Kreativitätswirtschaft.

Man hat sich auf 15 Branchen geeinigt, die man zur Creative Economy zählt: u.a. Verlage, TV und Radiosender, Softwarehäuser, Werbung, Design, Kunst, Schauspiel, Kunsthandwerk, Forschung und Entwicklung, Videospiele, Architektur, Mode.

In der entwickelten Welt führen diese Branchen zur höchsten Wachstumsdynamik innerhalb der jeweiligen Volkswirtschaften. Jüngeren Studien zufolge wird ihnen innerhalb der OECD-Staaten ein jährliches Wachstum von über 10% auf Jahre hinaus prognostiziert.

Früher standen Staaten im Wettbewerb um Rohstoffe zueinander, dann Industrien und Unternehmen um Konsumenten. Heute sind es die Kommunen um Talente. 1998 entfielen 50% des Konsums in die Kategorien „Fun“ und „Lifestyle“. Futurologen sagen: In der Hierarchie der Verbraucherwünsche rangiert Unterhaltung an oberster Stelle. Kreative Organisationen denken immer unternehmerischer. Unternehmen werden immer abhängiger von kreativen Ideen und Innovationen.

Copyright Foto. C. Kempf, 2007.

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